Beste Wanderungen in den Dolomiten: Tre Cime, Cinque Torri, Lago di Sorapis und Lagazuoi
Die Dolomiten liefern einige der dramatischsten Wanderungen Europas. Vom ikonischen Tre-Cime-Rundweg bis zum türkisen Lago di Sorapis — die besten Trails mit Details und Tipps aus unserem 6-Tage-Roadtrip.
Wenn du die Dolomiten zum ersten Mal siehst, verstehst du, warum sie zum UNESCO-Welterbe gehören. Das sind keine Berge im üblichen Sinne — das sind senkrechte Kathedralen aus hellgrauem Fels, die aus grünen Almwiesen aufsteigen wie aus einem Geologie-Lehrbuch, das sich vorgenommen hat, ein Meisterwerk zu werden. Und der beste Weg, sie zu erleben, ist zu Fuß.
Wir haben sechs Tage im August mit der Familie durch die Dolomiten geroadtript, in unserem Eriba gecampt und jeden Tag einen anderen Wanderweg unter die Füße genommen. Die Strecken reichen von gemütlichen Almspaziergängen bis zu Tagesrundwegen mit ordentlichen Höhenmetern, aber jeder einzelne liefert Ausblicke, die den Aufwand rechtfertigen. Hier sind die besten Wanderungen, die wir gefunden haben — mit den praktischen Details, die in den inspirations-schweren Instagram-Posts fehlen.
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Tre Cime di Lavaredo: Der ikonische Rundweg
Es gibt keinen sanften Einstieg zu den Tre Cime di Lavaredo (Drei Zinnen). Die drei massiven Felstürme — Grande, Occidentale und Piccola — ragen 500 Meter über dem umliegenden Plateau auf, in einer Formation, die so unwahrscheinlich aussieht, als wäre sie konstruiert. Das ist der ikonischste Anblick der Dolomiten, und ausnahmsweise übertrifft die Wirklichkeit den Hype.
Der klassische Rundweg startet an der Rifugio Auronzo (mit dem Auto erreichbar, Mautstraße 30 €), umrundet die Nordwand über die Laghi dei Piani und kehrt entlang der Südwand zurück. Die volle Schleife sind etwa 10 km mit moderaten Höhenmetern — machbar für Familien mit wanderfähigen Kindern.

Der Blick auf die Südwand — der aus jedem Dolomiten-Kalender — trifft dich etwa 30 Minuten in die Wanderung hinein. Die drei Türme füllen den Bildausschnitt, der Pfad biegt sich quer über ein Felsplateau auf sie zu, und die Quellwolken, die sich im Sommer über den Dolomiten auftürmen, schaffen eine dramatische Kulisse, die sich minütlich verändert.
Geh weiter um die Nordseite und du erreichst die Laghi dei Piani (Bödenseen), zwei Almseen, die an einem windstillen Tag perfekte Spiegelbilder der umliegenden Gipfel werfen. Das ist der „versteckte" Blick des Rundwegs — weniger fotografiert als die Südwand, aber wohl noch schöner.

Trail-Info: ~10 km Rundweg, 3-4 Stunden, 400 m Höhenmeter. Mittlerer Schwierigkeitsgrad. Früh starten (vor 10 Uhr), um den Massen und den Nachmittagsgewittern aus dem Weg zu gehen. Die Mautstraße zur Rifugio Auronzo öffnet im Sommer um 7 Uhr.
Cinque Torri und Passo Giau
Die Cinque Torri (Fünf Türme) sind eine Gruppe von Felssäulen, die nahe dem Falzaregopass aus den Almwiesen aufsteigen, mit der mächtigen Tofana di Rozes als Kulisse. Die Wanderungen hier sind abwechslungsreicher als an den Tre Cime — du kannst eine kurze Schleife um die Türme machen oder eine längere Traversierung Richtung Rifugio Averau und Nuvolau für einen Panoramagipfel ausdehnen.
Der Aufstieg von Süden, durch die Almwiesen am Passo Giau, ist schon für sich eine Wanderung. Der Pfad verengt sich beim Aufstieg durch grüne Hänge, mit eindrucksvollen Felswänden, die zu beiden Seiten aufragen, und einem Himmel, der sich oft mit dramatischen Wolkenformationen füllt.

Weiter oben öffnet sich das Panorama und zeigt das volle Maß der Dolomiten — die Tofane-Gipfel, vereinzelte Nadelbäume, die sich an die Hänge klammern, und das Refugium, sichtbar als winziger Punkt in der Ferne. Das ist die Sorte Pfad, auf der du alle paar hundert Meter stehen bleibst, um dich umzudrehen und zu schauen.

Der Pfad Richtung Rifugio Averau steigt steiler an, mit der Tofana di Rozes als massive Wand im Hintergrund. Das Nachmittagslicht hier ist außergewöhnlich — es fängt sich in den Felswänden und färbt sie golden, während die Wiesen darunter im tiefgrünen Schatten bleiben.

Die Cinque Torri selbst genießt du am besten von der Wiese darunter — fünf Felssäulen, die wie Wächter gegen einen Himmel stehen, der in den Dolomiten immer dramatischer wirkt, als er müsste.

Wenn du eine geführte Variante bevorzugst, deckt eine geführte Panoramawanderung zu den Cinque Torri ab Cortina die besten Aussichtspunkte mit einem lokalen Bergführer ab, der das Gebiet aus dem Effeff kennt — wirklich lohnenswert, wenn das deine erste Begegnung mit den Dolomiten ist.
Trail-Info: Mehrere Optionen von 1,5 h (Cinque Torri Schleife) bis 5 h (erweiterte Nuvolau-Traversierung). Der Start am Cinque-Torri-Sessellift (nahe Passo Falzarego) erspart dir 400 Höhenmeter. Der Anstieg über den Passo Giau bringt 2-3 h zusätzlich.
Lago di Sorapis: Das türkisfarbene Juwel
Wenn es eine Wanderung in den Dolomiten gibt, die mit einer derart außergewöhnlichen Belohnung daherkommt, dass es sich anfühlt wie Schummeln seitens der Natur, dann ist es der Pfad zum Lago di Sorapis. Der See liegt in einem natürlichen Amphitheater aus senkrechten Dolomitwänden, und seine Farbe — ein milchiges, elektrisches Türkis durch suspendierten Gesteinsstaub — ist schlicht unwirklich. Kein Filter, keine Bearbeitung. Er sieht wirklich so aus.
Der Anstieg führt an einem kleinen Almsee nahe dem Passo Falzarego vorbei, der eine eigene stille Schönheit hat — türkises Wasser, umgeben von grünen Wiesen und gespiegelten Gipfeln, ein Vorgeschmack auf das, was kommt.

Der finale Abstieg zum Lago di Sorapis ist steil und enthält ein paar exponierte Abschnitte mit fixen Stahlseilen (technisch keine Klettersteig, aber Wanderstöcke und gute Schuhe sind unverzichtbar). In dem Moment, in dem der See ins Sichtfeld kommt, verstehst du, warum die Leute den Aufwand auf sich nehmen.

Das Ausmaß des Amphitheaters lässt sich auf Fotos schwer vermitteln — die Wände steigen auf drei Seiten senkrecht auf, das Wasser leuchtet in diesem unmöglichen Blaugrün, und wenn du das Glück hast, den See für dich zu haben (früh oder spät), ist die Stille total.


Der Rückweg führt durch dichten Nadelwald auf Serpentinenpfaden hinab — ein willkommener Kontrast nach den exponierten Felslandschaften oben. Die Waldabschnitte haben ihre eigene Stimmung, mit hohen Fichten, die das späte Nachmittagslicht filtern.

Trail-Info: ~12 km hin und zurück ab dem Trailhead nahe Passo Tre Croci, 4-5 Stunden, 600 m Höhenmeter. Mittel bis schwer (exponierte Abschnitte mit Stahlseilen). Nicht empfehlenswert für kleine Kinder. Vor 9 Uhr starten — der Pfad wird gegen Mittag voll. Schwimmen im See ist mittlerweile verboten.
Lagazuoi-Gipfel: Das 360°-Panorama
Für den größten Ausblick mit dem geringsten Aufwand nimmst du die Lagazuoi-Seilbahn vom Passo Falzarego zum Gipfel auf 2.835 Meter. Das Panorama von oben sind die Dolomiten in einem einzigen Rundumblick — Talböden hunderte Meter unter dir, Gipfel, die in alle Richtungen bis zum Horizont reichen, und Cortina d'Ampezzo, sichtbar als Häuser-Cluster in der Ferne.

Am Gipfel markiert ein Steinmännchen den höchsten Punkt. Dahinter entfaltet sich der ganze Bogen der Dolomiten-Gipfel — die Rifugio Lagazuoi liegt knapp unterhalb, und Pfade führen in mehrere Richtungen für alle, die das Erlebnis verlängern wollen.

Der Gipfel hält auch ein Stück Erster-Weltkriegs-Geschichte bereit — Tunnel und Stollen, von italienischen und österreichischen Truppen in den Fels getrieben, sind zur Erkundung freigegeben und legen eine ernüchternde Schicht über die Schönheit.
Trail-Info: Seilbahn hinauf (20-25 € hin und zurück), dann optional Wandern auf dem Gipfelplateau (1-2 h). Für Abenteuerlustige dauert der Abstieg über den WWI-Tunnelpfad zum Passo Falzarego 2-3 h und ist eine unvergessliche Erfahrung. Die Seilbahn fährt von Ende Juni bis Anfang Oktober.
Wenn du in Venedig stationiert bist und kein Auto hast, gibt dir ein Tagesausflug Dolomiten, Cortina und Pragser Wildsee einen Vorgeschmack auf die Berge in einem einzigen langen Tag — wobei nichts ein eigenes Auto und mehrere Tage zum Erkunden ersetzt.
Die beste Unterkunft finden
Cortina d'Ampezzo ist die praktischste Basis für alle vier untenstehenden Wanderungen. Nutze unsere interaktive Karte, um eine Unterkunft nahe der Trailheads zu finden — zoome in Cortina hinein für Hotels, oder schau dir die umliegenden Täler für günstigere Camping- und Agriturismo-Optionen an.
Praktische Infos
Wann wandern
Die Wandersaison in den Dolomiten geht grob von Ende Juni bis Anfang Oktober. Juli und August bieten das beste Wetter, aber auch die größten Menschenmengen (vor allem an den Tre Cime und am Sorapis). September ist ideal — die Sommergewitter lassen nach, die Lärchen färben sich golden, und die Pfade leeren sich spürbar.
Wir sind Mitte August gewandert und hatten an den meisten Tagen mit Nachmittagswolken zu tun — typisches Sommermuster. Früh starten, mittags am Gipfel sein, absteigen, bevor sich die Wolken auftürmen.
Was mitnehmen
Essentielle Ausrüstung: feste Wanderschuhe (Knöchelhalt ist am Sorapis kritisch), Regenjacke (Wetter schlägt schnell um), Sonnenschutz (Höhe = UV), Wasser (mindestens 1,5 l) und Wanderstöcke für die exponierten Abschnitte. Die Rifugios verkaufen Essen und Getränke, du musst also keine vollen Vorräte schleppen.
Anreise
Die Dolomiten erreichst du am besten mit dem Auto. Die nächsten größeren Flughäfen sind Venedig Marco Polo (VCE) und Innsbruck (INN). Von Venedig sind es etwa 2 Stunden bis Cortina d'Ampezzo, das eine ausgezeichnete Basis abgibt. Du kannst Flüge vergleichen und einen Mietwagen buchen ab dem Flughafen. Die Bergpässe (Falzarego, Giau, Gardena) sind Erlebnisse für sich — einige der landschaftlich schönsten Strecken Europas.
Wo übernachten
Cortina d'Ampezzo ist der Hauptort und die beste Basis für Tre Cime, Cinque Torri, Sorapis und Lagazuoi. Für eine günstigere Variante bieten die Campings in der Umgebung atemberaubende Bergkulissen zu einem Bruchteil des Hotelpreises — wir waren auf einem Campingplatz nahe Livinallongo del Col di Lana, mit dramatischen Dolomitwänden, vom Frühstückstisch aus sichtbar.
FAQ
F: Was ist die beste Wanderung für Familien in den Dolomiten? A: Der Tre-Cime-Rundweg ist am besten machbar — mittlerer Schwierigkeitsgrad, gut gepflegter Pfad und spektakuläre Aussichten von Anfang an. Kinder ab 8 mit etwas Wandererfahrung schaffen ihn locker.
F: Braucht man Klettersteig-Ausrüstung für den Lago di Sorapis? A: Nein, weder Gurt noch Klettersteigset sind nötig, aber der Pfad hat exponierte Abschnitte mit fixen Stahlseilen. Gute Schuhe und Schwindelfreiheit sind unverzichtbar. Wanderstöcke helfen beim Abstieg deutlich.
F: Kann man in den Dolomiten wild campen? A: Wildcampen ist in den Dolomiten generell verboten (es ist ein Schutzgebiet). Auf einigen Routen gibt es Biwakschachteln, und in den Tälern verteilen sich ausgezeichnete Campingplätze.
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