Timanfaya, La Geria & Manrique: Zentrum Lanzarotes
Das vulkanische Herz Lanzarotes verbindet Kunst und Geologie. Timanfaya, die Weine von La Geria und Manriques Werke sind der Schlüssel, um die Insel zu verstehen.
Das Zentrum Lanzarotes ist das wahre Herz der Insel — eine Landschaft, die so von Vulkanausbrüchen geformt wurde, dass sie weniger nach Urlaubsziel und mehr nach fremdem Planeten aussieht. Hier findest du die weiten Lavafelder von Timanfaya, das einzigartige Weinbaugebiet La Geria und einige der ehrgeizigsten Werke César Manriques. Der geologisch, künstlerisch und landschaftlich spektakulärste Teil der Insel.
Wir haben mehrere Tage damit verbracht, das Zentrum zu erkunden, und genau hier hat sich Lanzarote als wirklich außergewöhnlich offenbart. Die Mischung aus rauer Naturgewalt und menschlicher Kreativität hat in Europa nichts Vergleichbares.
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Nationalpark Timanfaya: Fahrt durch die Lavafelder
Der Parque Nacional de Timanfaya ist Lanzarotes berühmteste Sehenswürdigkeit, und das aus gutem Grund. Der Eintritt ist moderat (etwa 12 € pro Auto) und beinhaltet sowohl eine eigenständige Fahrt durch die Lavafelder als auch einen Platz in der geführten Bustour, die dich tiefer in die Vulkanlandschaft bringt.
Die Strecke schlängelt sich durch ein riesiges Meer aus erstarrter Lava — verdrehte schwarze Felsformationen, die in alle Richtungen bis zum Horizont reichen, und Vulkankegel, die sich scharf gegen den blauen Himmel abzeichnen. Die Landschaft ist so karg und fremdartig, dass sie schon als Drehort für Sciencefiction-Filme gedient hat. Sie live zu sehen wirkt deutlich stärker als jedes Foto.

Die Straße ist gut ausgebaut und einfach zu befahren, mit mehreren Haltebuchten für Fotos. Wir haben rund eine Stunde auf dem selbstgefahrenen Abschnitt verbracht, mit häufigen Stopps. Die Stille ist außergewöhnlich — keine Vegetation, kein Tierlaut, nur das Knirschen des Schotters unter den Reifen und der Wind über dem nackten Gestein.
Die geführte Bustour (im Eintritt enthalten) folgt Strecken, die sich zwischen den Kratern hindurchwinden, und das Ausmaß der Ausbrüche wird erst klar, wenn du siehst, wie weit die Lavaströme in alle Richtungen reichen. Der Fahrer kommentiert die vulkanische Geschichte und die Eruptionen von 1730–36, die die Insel umformten. Die ganze Tour dauert ungefähr zwei Stunden.
Restaurant El Diablo: Essen über aktivem Magma
Im Herzen von Timanfaya liegt El Diablo, eines der ungewöhnlichsten Restaurants der Welt. Das Gebäude thront auf einem Vulkanrücken, und die Küche nutzt die Restwärme des Magmas, das noch unter der Oberfläche strahlt, um Fleisch zu grillen.

Hähnchen und Steaks auf einem Grill brutzeln zu sehen, der von der Erde selbst befeuert wird, ist schlicht faszinierend. Die Kinder waren wie verzaubert. Das Essen ist einfach und sauber zubereitet — gegrilltes Fleisch mit Salaten und Brot. Touristisch, klar, aber das Erlebnis ist echt und bleibt im Kopf. Ein Hauptgang kostet rund 18–25 €. Im Sommer besser vorab reservieren, im Februar sind wir spontan reinspaziert.
Die Fenster des Restaurants öffnen sich zu den Lavafeldern, und das Bewusstsein, in einer so außergewöhnlichen Landschaft zu essen, hebt das Ganze nochmal an. Eine dieser Reiseerfahrungen, die hängen bleiben.
Caldera Blanca: Wandern über der Vulkanwüste
Eine der besten Wanderungen Lanzarotes führt hinauf zur Caldera Blanca, einem Vulkankraterkegel, der 460 Meter über die umliegenden Lavafelder ragt. Der Weg startet im Dorf Mancha Blanca und führt zunächst durch die Lava, bevor es steil zum Kraterrand hinaufgeht.

Die Tour dauert hin und zurück etwa drei Stunden und ist für Familien mit Kindern ab 8 Jahren machbar. Stellenweise steil, aber der Pfad ist klar erkennbar, und die Belohnung ist spektakulär — vom Rand siehst du das gesamte zentrale Lavaplateau, mit dem Atlantik in der Ferne. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zu den Nachbarinseln.
Mit jedem Höhenmeter wird die Landschaft dramatischer — die Vulkankegel werden klarer, die Größenverhältnisse klar, und die Stille hat fast etwas Beunruhigendes. Oben am Rand fühlst du dich völlig allein in einer urzeitlichen Landschaft.
La Geria: Weinland in der Wüste
Lanzarote produziert Wein in einem der außergewöhnlichsten Weingebiete der Welt, und ein Besuch in La Geria gehört unbedingt dazu. Die Anbauregion zieht sich über die Hänge rund um die Vulkankegel, und die hier verwendete Technik ist weltweit einzigartig.
Die Reben werden einzeln in flache Mulden im vulkanischen Kies gepflanzt, jede geschützt durch eine niedrige halbkreisförmige Mauer aus Lavagestein. Diese alte, über Jahrhunderte verfeinerte Technik fängt die Feuchtigkeit der Passatwinde ein und schirmt die Pflanzen vor der ständigen Atlantikbrise ab. Von oben wirkt die Landschaft mit ihren Tausenden sichelförmigen Mauern auf den schwarzen Hängen fast hypnotisch.
Der lokale Malvasía Volcánica ist ein trockener Weißwein mit markant mineralischem Charakter — anders als alles, was du sonst kennst. Mehrere Bodegas bieten Verkostungen und kleine Restaurants. Wein-Tour mit Verkostung in La Geria buchen
Wir haben eine kleine Familienbodega besucht und auf einer Terrasse mit Blick auf die Reben drei Weine zu lokalem Käse und Schinken probiert. Die 25–35 € pro Person fühlten sich angesichts der Qualität und der Kulisse fair an.
Die Fundación César Manrique: Kunst und Architektur
César Manrique war ein visionärer Künstler und Architekt, der Lanzarote von einer armen, übersehenen Insel in ein Reiseziel verwandelte, an dem Kunst, Natur und Handel im Einklang stehen. Seine Philosophie: Entwicklung soll die Landschaft veredeln, nicht beherrschen. Seine Bauten sind zurückhaltend, integriert und absolut unverkennbar.
Die Fundación César Manrique ist im ehemaligen Wohnhaus Manriques untergebracht — ein weiß getünchtes Gebäude auf einem schwarzen Lavaplateau, mit einem auffälligen Kontrast zwischen der Schlichtheit des Hauses und der dramatischen Umgebung. Innen offenbart das Haus überraschende Komplexität: mehrere Ebenen in den Lavafels gehauen, Innenhöfe und Räume, die zugleich modern und zeitlos wirken.

Die Stiftung zeigt Manriques Gemälde, Skulpturen und Skizzen, und der Gang durchs Haus vermittelt ein Gefühl für seinen Schaffensprozess und seine Besessenheit, menschliche Räume in die Natur einzubetten. Tickets für die Fundación César Manrique buchen
Jardín de Cactus: Manriques letztes Meisterwerk
Der Jardín de Cactus ist César Manriques letztes großes Werk, kurz vor seinem Tod 1990 fertiggestellt. Ein Meisterwerk — ein botanischer Garten in einem alten Steinbruch im Nordosten der Insel mit über 4 500 Kakteen aus 450 verschiedenen Arten, angeordnet auf Terrassen aus schwarzem Vulkankies.

Der Garten ist zugleich botanische Attraktion, Skulpturenpark und Land-Art-Stück. Jedes Detail wirkt bewusst gesetzt — die Abstände zwischen den Pflanzen, die Farbpalette, die Wegführung des Wassers. Beim Durchqueren der Terrassen wechselst du durch verschiedene Mikroklimata und Landschaften, jede sorgfältig komponiert.

Der Garten ist zu jeder Tageszeit schön, aber das späte Nachmittagslicht ist besonders gut — die Schatten ziehen sich über den Kies, und die Kakteen leuchten gegen den dunklen Vulkanhintergrund. Wir waren am frühen Morgen und am späten Nachmittag dort, beide Male auf eigene Weise magisch. Der Eintritt liegt bei rund 7–9 € pro Person.
Praktische Infos
Wie du hinkommst
Das Zentrum Lanzarotes erreichst du am einfachsten von Costa Teguise (wo wir gewohnt haben) oder Arrecife, dem Hauptort. Timanfaya liegt rund 30 km westlich von Arrecife. Ein Mietwagen ist Pflicht — der öffentliche Verkehr ist minimal. Die Straßen sind ausgezeichnet, die Distanzen kurz.
Timanfaya und La Geria liegen im Zentrum Lanzarotes, 20 Autominuten vom Flughafen Arrecife (ACE). Die meisten Flüge aus Madrid, Manchester und Düsseldorf landen vormittags, sodass du einchecken, nach Timanfaya fahren und noch die Vulkan-Vorführung am Nachmittag mitnehmen kannst.
Beste Reisezeit
Der Winter (November–März) ist die beste Zeit, um die Vulkanlandschaft zu erkunden. Der Sommer kann extrem heiß werden — die schwarze Lava saugt die Sonnenwärme auf und strahlt sie zurück, was die Landschaft kaum erträglich macht. Der Februar, in dem wir da waren, war ideal — warm genug für Komfort, kühl genug zum Wandern.
Budget-Orientierung
Ein typischer Tag im Zentrum lässt sich grob so aufteilen:
- Eintritt Timanfaya: 12 € pro Auto - Essen El Diablo: 18–25 € pro Person - Weinverkostung und Tour: 25–35 € pro Person - Manrique-Stätten: 7–15 € pro Person - Mietwagen: 25–35 € pro Tag
Karten
Nutze unsere interaktive Karte, um Unterkünfte und wichtige Orte im Zentrum Lanzarotes zu finden.