Nord-Lanzarote: Haría, Mirador del Río & Famara
Im Norden zeigt Lanzarote sein wildes Gesicht — hohe Klippen, Wanderungen in alten Vulkankratern und weite Atlantikblicke bis zur Insel La Graciosa.
Im Norden zeigt Lanzarote sein wildes Gesicht. Der Risco de Famara — eine Steilwand, die fast 500 Meter senkrecht aus dem Meer ragt — beherrscht die Landschaft. Von oben reicht der Blick über den Atlantik bis zur Nachbarinsel La Graciosa, an klaren Tagen scheint der Horizont endlos. Das ist der dramatischste Teil der Insel und gleichzeitig der abgelegenste.
Die Fahrt aus den zentralen Resorts führt durch Landschaften, die ständig wechseln: vulkanisches Inselinnere, dann grüne Täler voller Palmen, dann wieder karge Vulkanrücken. Der Norden verlangt, dass du ihn erkundest — und belohnt dich mit einigen der eindrucksvollsten Erlebnisse Lanzarotes.
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Haría: das Oasental
Haría ist ein kleines Dorf in einem Tal im Norden der Insel, umringt von Tausenden Palmen, die ein fast tropisches Ambiente schaffen — völlig konträr zur kargen Vulkanlandschaft draußen. Der Ort ist ruhig und traditionell, mit ein paar Restaurants und Läden, doch was ihn besonders macht, ist seine Lage.

Das Tal entstand durch einen alten Vulkanismus, das unterirdische Wasser macht es zur natürlichen Oase. Durch die palmenbeschatteten Gassen zu schlendern fühlt sich an wie der Schritt in eine andere Welt. Im Dorf liegt eine ruhige, fast meditative Atmosphäre, die im scharfen Kontrast zur dramatischen Vulkanlandschaft am Talrand steht.
Haría ist auch Ausgangspunkt für Wanderungen in den Vulkanen. Mehrere Wege führen vom Dorf hinauf in die Gipfel und bieten spektakuläre Ausblicke über den Norden. Buche eine geführte Tour, die Haría-Wanderung und Manrique-Stätten kombiniert
Wandern auf den Vulkangipfeln über Haría
Eine der eindrucksvollsten Arten, Lanzarotes Vulkanlandschaft zu erleben, ist von oben — und mehrere Wanderwege führen von Haría in das Vulkangelände. Die Pfade winden sich durch Lavafelder, vorbei an Kraterkegeln und über Grate mit atemberaubendem Panorama.

Die Touren reichen vom 30-Minuten-Spaziergang bis zur mehrstündigen Wanderung. Schon kurze Strecken zeigen unglaubliche Landschaften — die Vulkangesteine reichen vom glänzend schwarzen Obsidian bis zu tiefen Rot- und Gelbtönen, dort wo Mineralien die Oberfläche gefärbt haben. Die geologische Geschichte steht dir buchstäblich unter den Füßen geschrieben.
Am stimmungsvollsten sind die Vulkanlandschaften am späten Nachmittag, wenn die tiefe Sonne jeden Grat und jeden Krater scharf herausarbeitet. Wir sind spät losgegangen und fanden uns fast allein in einer urzeitlichen Kulisse wieder, alles in goldenes Licht getaucht. Genau diese Momente machen Lanzarote unvergesslich.
Mirador del Río: ein Bauwerk, das mit der Landschaft verschmilzt
César Manriques Mirador del Río thront am Nordende der Famara-Klippen und bietet einen der spektakulärsten Ausblicke der Kanaren. Das Besondere am Bau: Manrique hat ihn vollständig in die Landschaft eingepasst — aus der Ferne ist die Struktur fast unsichtbar, in den Felsen geschnitten, mit minimalem Eingriff.
Drinnen rahmen die Räume die Aussicht hinüber nach La Graciosa und auf die türkise Meeresenge zwischen den Inseln. Die Innenflächen sind hell, offen und wirken fast wie ein Teil der Landschaft statt als ein Fremdkörper darin. Eine Lehrstunde, wie Architektur einen Ort aufwerten kann, ohne ihn zu erdrücken.

Der Eintritt liegt bei rund 7–9 €, jeder Cent wert. Im Vergleich zu anderen Manrique-Stätten bleibt der Andrang moderat, und die Aussichtsfläche bietet fast 180-Grad-Panorama. Nimm eine Jacke mit — der Wind kann stark sein und die Luft kühl, selbst im Februar.
Die Famara-Klippen: Lanzarotes dramatischste Küste
Der Risco de Famara ist eine Steilwand entlang der Nordwestküste Lanzarotes, die fast 500 Meter senkrecht aus dem Meer aufsteigt. Von vielen Punkten der Insel kann man die Klippen sehen, aber sie aus der Nähe zu erleben hat mit jedem Foto nichts gemein.

Mehrere Aussichtspunkte säumen die Klippenkante, jeder mit seiner eigenen Perspektive. Der Hauptaussichtspunkt am Mirador del Río liefert den dramatischsten Blick, doch entlang der Küstenstraße gibt es zahlreiche Buchten zum Anhalten — du stehst am Rand und spürst die Weite des Atlantiks unter dir.
Besonders eindrucksvoll sind die Klippen bei Sonnenuntergang, wenn das tiefe Licht die Felswände trifft und die Landschaft in Orange- und Rottönen glüht. Wenn du deinen Tagesablauf so legst, dass du am späten Nachmittag hier endest, bekommst du eines der außergewöhnlichsten Naturschauspiele der Insel.
La Graciosa: die autofreie Insel
La Graciosa ist eine autofreie Insel vor der Nordküste Lanzarotes, erreichbar mit der 25-Minuten-Fähre vom kleinen Hafen Órzola. Die Insel ist winzig — du kannst sie in einer Stunde durchqueren — und fast komplett unbebaut. Eine Handvoll Restaurants, ein paar Hotels und endlose, leere Strände.
Buche einen Tagesausflug per Segelboot nach La Graciosa, um diese unberührte Küste zu erleben. Die meisten Touren starten morgens in Órzola und beinhalten Mittagessen, Schnorchelstopps und ein paar Stunden Inselzeit.
La Graciosa fühlt sich an wie ein Schritt in die Vergangenheit — keine Autos, keine Bebauung, keine Massen. Die Strände bleiben selbst in der Hauptsaison still und leer. Das Wasser ist klar und warm, ideal zum Schnorcheln. Wer die Küste Lanzarotes in ihrer ursprünglichsten Form erleben will, kommt um La Graciosa nicht herum.
Strand von Famara: für Surfer und Spaziergänger
Zurück auf Lanzarote: Famara ist der Surfstrand der Insel — eine weite Bucht goldenen Sandes mit den dramatischen Klippen im Rücken. Der Atlantikswell ist hier konstant, und im Winter ziehen die Wellen Surfer aus ganz Europa an. Aber du musst nicht surfen, um Famara zu mögen — der Strand selbst ist spektakulär.
Der Sandstreifen erstreckt sich kilometerweit, bei Ebbe spiegelt der nasse Sand Himmel und Klippen perfekt und schafft eine fast surreale Szenerie. Bei Sonnenaufgang oder Dämmerung über Famara zu laufen, mit leerem Strand und weichem Licht, gehört zu den großen Erlebnissen, die Lanzarote bietet.
Hinter dem Strand liegt ein Dorf mit Restaurants, Cafés und einer entspannten Stimmung, die den touristischeren Resorts im Süden gegenübersteht. Ein guter Ort, um einen Nachmittag oder Abend zu verbringen und das Licht über den Klippen wandern zu sehen.
Wanderung von Haría zur Küste
Eine der lohnendsten Touren auf Lanzarote ist der Abstieg von Haría hinunter zur Nordküste. Der Pfad führt dich aus dem grünen Palmental durch immer karger werdendes Vulkanland bis zur Klippenkante mit Atlantikblick.
Die Wanderung ist mittelschwer, aber äußerst lohnend. Du durchquerst klar abgegrenzte Landschaftszonen — tropische Vegetation, Lavafelder, Meerblick — auf wenigen Kilometern. Die geologischen Wechsel sind so dramatisch wie die landschaftlichen.
Plane 3–4 Stunden ein, je nach Tempo und Kondition; geeignet für Familien mit Kindern ab 10 Jahren. Starte früh, um das Tageslicht voll auszunutzen, und nimm reichlich Wasser mit — sobald du das Dorf verlässt, gibt es keinen Schatten mehr.
Praktische Infos
Anreise
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Die Nordspitze Lanzarotes liegt rund 40 km vom Flughafen Arrecife entfernt. Ein Mietwagen ist Pflicht — im Norden gibt es praktisch keinen öffentlichen Nahverkehr. Die Straßen sind gut, aber kurvig, vor allem der Bergpass zwischen Inselmitte und Norden.
Der Flughafen César Manrique (ACE) liegt im Süden der Insel — flieg von den meisten europäischen Hubs ein (Ryanair, easyJet, TUI fahren ganzjährig) und nimm den Mietwagen am Ankunftsterminal. Haría und Mirador del Río sind eine Stunde Fahrt nach Norden; rechne extra Zeit für die langsame Küstenstraße ab Famara ein, wenn du die Aussichten willst.
Beste Reisezeit
Der Norden ist windiger als der Süden, weil die Küste ungeschützt liegt. Der Winter (November–März) ist die beste Saison für Wandern und Erkunden. Der Sommer kann sehr windig sein und manchmal zu warm fürs gemütliche Gehen, das Wetter bleibt aber meist angenehm.
Budget-Richtwerte
Ein typischer Tag im Norden sieht etwa so aus:
- Eintritt Mirador del Río: 7–9 € pro Person - Tagesausflug La Graciosa: 35–50 € pro Person - Restaurantmahlzeit: 15–25 € - Wandertouren: 30–50 € pro Person - Mietwagen: 25–35 € pro Tag
Karten
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