Anaga Rural Park & Nordost-Teneriffa: Vollständiger Reiseführer
Alter Lorbeerwald, Gebirgsstraßen in den Wolken, weißes Dorf auf einem Messerkamm, Schwarzsandstrand mit Felsnadeln — der Parque Rural de Anaga ist Teneriffas älteste, grünste und rätselhafteste Ecke.
Versteckt an der nordöstlichen Spitze Teneriffas liegt Anaga — die älteste Landschaft der Insel. Ein zerknittertes Massiv aus messerscharfen Kämmen, verborgenen Dörfern und Wäldern, die aussehen, als hätten sie sich seit zwölf Millionen Jahren nicht verändert. Der Rest Teneriffas wurde im Feuer geschmiedet; Anaga erodiert seitdem leise vor sich hin. Den Unterschied spürt man, sobald man die Autobahn verlässt und in die Wolken hinaufsteigt.
Wir haben Anaga für den letzten Tag einer neuntägigen Rundreise über die Insel aufgehoben — und das war genau richtig. Das Massiv fühlte sich wie ein anderes Teneriffa an: grüner, feuchter, seltsamer. So holst du das Beste aus einem Tag (oder zwei) im Parque Rural de Anaga und der nordöstlichen Küste heraus.
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Den Tag in Santa Cruz de Tenerife beginnen
Die meisten Anaga-Besuche beginnen — und enden manchmal — in Santa Cruz, der Inselhauptstadt. Wenn du im Süden oder Norden der Insel übernachtest, lohnt es sich, am Vorabend eine Nacht in Santa Cruz zu buchen: Von dort bist du in 20 Minuten auf der Hauptzufahrtsstraße nach Anaga, und das Morgenlicht über der Stadt mit den Anaga-Bergen im Hintergrund gehört zu den stillen Highlights der Insel.

Bevor du in den Park fährst, gönn dir eine Stunde am Parque Marítimo, beim Auditorio de Tenerife (César Manrique hätte es gewollt) und beim Kaffee auf der Plaza del Príncipe. Für eine geführte Einführung in die Stadt — Geschichte, Architektur, Tapas-Stopps — dauert eine Stadtführung durch Santa Cruz mit einem lokalen Experten etwa 2 Stunden und passt gut zum Morgenkaffee. Dann fährst du die TF-12 Richtung La Laguna — die UNESCO-gelistete alte Hauptstadt der Insel — und machst einen kurzen Abstecher durch das historische Zentrum, bevor es nach Anaga geht.

Durch den Lorbeerwald bei Cruz del Carmen wandern
Der Hauptzugang zu Anaga ist die TF-12, eine schmale Gebirgsstraße, die von La Laguna auf den Hauptkamm des Massivs hochführt. Der erste Halt auf dem Weg — und einer der stimmungsvollsten — ist Cruz del Carmen, eine kleine Kapelle auf 1.000 Metern Höhe, umgeben vom intaktesten Stück Lorbeerwald der Insel.
Die Laurisilva (Lorbeerwald) bedeckte einst weite Teile des subtropischen Südeuropas. Heute klammert sich das meiste Überlebende an die Kanaren und Madeira, und Anaga schützt das älteste und dichteste Relikt Teneriffas. Moos hängt von jedem Ast, die Luft ist kühl und feucht, das Licht fällt grün herunter.
Der kurze Sendero de los Sentidos (Weg der Sinne) führt in einer Schleife vom Besucherzentrum durch das Herzstück des Waldes und dauert rund 30 Minuten. Flach, familienfreundlich, und die Informationstafeln erklären dir, was du siehst — ohne belehrend zu wirken.
Für eine tiefere Wanderung abseits des Selbstführungspfades bietet eine Kleingruppen-Rundwanderung im Anaga-Lorbeerwald (max. 10 Personen) 3–4 Stunden mit einem Naturforscher — die beste Möglichkeit, den Wald wirklich zu lesen, statt nur hindurchzugehen.
Aussicht vom Mirador Pico del Inglés
Von Cruz del Carmen führt eine 10-minütige Fahrt auf der TF-114 zum Mirador Pico del Inglés auf 992 Metern. An einem klaren Morgen liegt die gesamte Südseite Anagas zu deinen Füßen — gefaltete grüne Kämme, die TF-12 auf dem Grat, der Atlantik in der Ferne dunstverhangen. Wenn niedrige Wolken die Täler füllen (was häufig vorkommt), wirkt die Aussicht von oben noch cineastischer.

Chinamada und den Mirador de Jardina besuchen
Eine Nebenstraße von der TF-13 führt nach Chinamada — eine abgelegene Ansammlung von Höhlenhäusern, die auf 500 Metern Höhe in den Kamm gegraben wurden. Das Dorf ist eine der letzten bewohnten Troglodyten-Siedlungen Europas; einige Familien leben ganzjährig hier, erreichbar über eine einzige gewundene Straße.
Vom Mirador de Amogoje, direkt oberhalb der Straße nach Chinamada, scheint ein kleines weißes Haus über einem Steilabfall auf einem grasbewachsenen Sporn zu hängen. Es ist eine der meistfotografierten Aussichten in Anaga — und im Alltag noch immer überraschend.

Von einem zweiten Aussichtspunkt näher an Chinamada kannst du in die andere Richtung schauen — über mehrere Kämme hinweg zu den drei vorgelagerten Inseln Roques de Anaga, winzige Vulkanschlote, die aus dem Ozean ragen.

Wanderung von Chinamada nach Punta del Hidalgo
Wer eine richtige Wanderung will: Ein markierter Pfad führt von Chinamada direkt ans Meer bei Punta del Hidalgo — bergab etwa 2 Stunden, bergauf 3 Stunden. Das ist eine der großen Anaga-Wanderungen und eine gute Wahl, wenn du nur einen vollen Tag im Park hast und Küste und Kamm verbinden möchtest.
Die TF-134 nach Taganana und Benijo fahren
Für die meisten Besucher ist die TF-134 die unvergesslichste Ecke Anagas — die Nordseitenstraße, die sich vom Pass El Bailadero zu den Dörfern Taganana, Almáciga und Benijo hinunterschlängelt. Die Abfahrt dauert 30 Minuten ohne Halt, eine Stunde mit Fotostopps. Rechne lieber mehr ein.
Wer lieber jemand anderen fahren lässt, damit er die Kämme im Blick behalten kann: Eine Tagesausflug nach Santa Cruz, La Laguna und Taganana verbindet alle drei mit Hotelabholung — praktisch bei einem kurzen Aufenthalt.
Das klassische Postkartenbild von Taganana bietet ein Mirador kurz über dem Dorf. Die gesamte Siedlung zieht sich einen messerscharfen Kamm entlang, der direkt ins Meer fällt, mit den gezackten Anaga-Gipfeln dahinter.

Weiter unten, kurz vor Almáciga, folgt die Straße dem Kliff und liefert einen der dramatischsten Küstenstriche der Kanaren. Die Felsformationen vor der Küste — die Roques de Anaga — sind klar zu erkennen, und am kleinen Surfer-Strand von Almáciga öffnet sich das Meer.

Die goldene Stunde am Playa de Benijo
Benijo ist das Ende der Straße — wortwörtlich. Ein kleines Dorf klammert sich an den letzten Kamm, ein Dutzend Parkplätze und zwei Fischrestaurants markieren den Endpunkt, und eine steile Holztreppe führt dich auf den Sand. Der Playa de Benijo ist ein schwarzer Sandstrand mit zwei ikonischen Meeressäulen im Wasser, und das Licht gegen Abend ist so schön wie irgendwo sonst auf den Kanaren.

Vorsicht beim Schwimmen — der Atlantik trifft diese Küste mit voller Kraft, und die Strömungen können selbst dann stark sein, wenn die Oberfläche ruhig wirkt. Unsere Kinder blieben an der Brandungslinie, während wir Erwachsene den Strand entlangliefen.

Fisch essen bei Casa África oder La Cofradía
Zwei der bekanntesten Fischrestaurants der Kanaren liegen ein paar Türen voneinander entfernt in Benijo: Casa África und La Cofradía. Beide servieren, was morgens gefangen wurde — Vieja, Papageifisch oder Cherne — dazu Papas arrugadas und Mojo verde. Das Mittagessen kostet 20–30 € pro Person, und beide Lokale füllen sich am Wochenende schnell. Am besten reservieren.
Zur Anaga-Küste bei Roque de Las Bodegas
Wer seine Papas lieber mit Meeresblick essen möchte: Fünf Minuten östlich von Taganana liegt Roque de las Bodegas — ein paar Fischerhütten, ein Kiesstrand und das unverkennbare Bild eines Felsvorsprungs, der in den Atlantik ragt.

Praktische Infos
Anfahrt: Anaga ist leicht mit einem Mietauto von Santa Cruz (20 Minuten) oder La Laguna (10 Minuten) zu erreichen. Vom Süden oder Westen der Insel plane 60–90 Minuten ein.
Zeitbedarf: Mindestens ein voller Tag. Zwei sind besser: einen für die Kämme (Cruz del Carmen, Pico del Inglés, Chinamada) und einen für die Küste (Taganana, Almáciga, Benijo).
Unterkunft: Hotels in Santa Cruz und La Laguna auf Trip.com bringen dich am nächsten an Anaga heran. Übernachten im Park selbst ist auf wenige Landhaushäuser in Taganana, Chamorga und Chinamada beschränkt — Monate im Voraus buchen.
Wetter: Anaga ist bewölkter und kühler als der Rest der Insel. Pack eine leichte Regenjacke und eine Schicht extra mit — auch im Sommer.
Geführte Wanderungen: Für einen tiefen Einblick in den Lorbeerwald lohnt eine geführte Wanderung im Parque Rural de Anaga mit einem lokalen Naturforscher — wenn du die Ökologie wirklich verstehen willst. Abholung und ein Picknick-Stopp sind meist inbegriffen.
Mobilität: Wer noch kein Auto hat: Mietwagenpreise auf Trip.com vergleichen — ein Auto ist für Anaga unverzichtbar.
Mehr über Teneriffa und grüne Insel-Auszeiten
Anaga fühlt sich wie eine eigene Welt an — aber die Teno-Halbinsel am anderen Ende der Insel auch, und der Teide-Kessel dazwischen. Wer durch Anagas Lorbeerwälder Lust auf weitere alte grüne Inseln bekommen hat, findet hier passende MapTrotting-Guides. — Reiseführer für Teneriffas wilde Westküste