Nordteneriffa: Puerto de la Cruz, La Orotava & Icod de los Vinos
Puerto de la Cruz mit schwarzem Sandstrand, die Barockstraßen von La Orotava, ein etwa 800 Jahre alter Drachenbaum in Icod und Garachico zu Silvester — die grüne, kulturreiche Seite Teneriffas.
Das Norden von Teneriffa ist der Teil der Insel, den die meisten Besucher verpassen. Fast alle fahren in den Süden nach Costa Adeje oder Las Américas — für Sonne und Strandhotels. Aber das echte Teneriffa, mit Geschichte, Bananenplantagen, Barockkirchen und schwarzen Sandstränden, liegt auf den nassen, grünen Nordhängen. Hier hat die Insel angefangen.
Wir haben uns für die erste Hälfte eines neuntägigen Familienurlaubs im Norden eingerichtet und ihn als Basis für Tagesausflüge zum Teide, nach Teno und Anaga genutzt. So holst du das Meiste aus Puerto de la Cruz, La Orotava, Icod de los Vinos und Garachico heraus — den vier Städten, die zusammen Nordteneriffa definieren.
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Schwimmen am Playa Jardín in Puerto de la Cruz
Puerto de la Cruz ist die älteste Touristenstadt auf den Kanaren — britische und deutsche Reisende kommen seit dem 19. Jahrhundert hierher, lange bevor der Süden überhaupt geteert war. Das Ergebnis ist ein Ferienort, der tatsächlich wie eine Stadt wirkt: ein aktiver Fischerhafen, eine historische Altstadt mit engen Gassen und ein atemberaubender, von Gärten umrahmter Strand am Westrand der Stadt.
Der Playa Jardín ist der schönste Strand der Stadt und einer der malerischsten der Insel. Von César Manrique (Lanzarotes berühmtestem Sohn) gestaltet, ist er ein Bogen aus schwarzem Vulkansand vor tropischen Gärten — und bei klarem Wetter ragt der schneebedeckte Teide-Kegel mit seinen 3.718 Metern dahinter auf. Das Wasser ist hier ruhiger als an den atlantikseitigen Stränden weiter westlich, und zwei Wellenbrecher halten die Wellen für Kinder beherrschbar.

Vor oder nach dem Strand schlenderst du Richtung Osten in die Altstadt — die Plaza del Charco ist das Herzstück von Puerto und ein guter Ort für einen Vermouth an einem Außentisch. Wenn du mit Kindern reist und einen ganzen Tag ohne Autofahren verbringen willst, bieten Loro Parque-Tickets am Westrand von Puerto de la Cruz einen der bestbewerteten Zoos Europas — mit Papageien, Orcas und einer neu gestalteten Pinguinanlage.
Einen Küsten-Mirador auf dem Weg einplanen
Die Autobahn TF-5 zwischen Santa Cruz und Puerto de la Cruz verläuft landeinwärts, aber die alte Küstenstraße schlängelt sich durch eine Reihe kleiner Städte — El Sauzal, Tacoronte, La Matanza — jede mit eigenem Klippen-Mirador mit Blick auf den Atlantik. Wenn du einen entspannten halben Tag hast, ist die Terrasse am Mirador de La Garañona in El Sauzal ein schöner Mittagsstopp — schwarze Lavaklippen unten und das Meer bis zum Horizont.

Den Jardín Botánico von Puerto de la Cruz erkunden
Kurze Autofahrt oder Busfahrt vom Zentrum von Puerto entfernt liegt einer der besten botanischen Gärten Europas. Der Jardín Botánico — offiziell der Jardín de Aclimatación de La Orotava — wurde 1788 als Zwischenstation für tropische Pflanzen gegründet, die aus Spaniens amerikanischen Kolonien auf dem Weg zu den Königsgärten in Madrid waren. Mehr als zwei Jahrhunderte später erfüllt er still seinen Zweck.
Das Highlight ist ein absolut riesiger Moreton-Bay-Feigenbaum (Ficus macrophylla), dessen Luftwurzeln sich zu einer hölzernen Kathedrale von zwanzig Metern Breite verbunden haben. Man läuft darunter durch, reckt den Hals und kann kaum unterscheiden, was Baum, Stamm oder Stützwurzel ist.

Aus einem anderen Blickwinkel wird das schiere Ausmaß des Wurzelsystems deutlich — das hier ist weniger ein Baum als ein kleiner Wald, der so tut, als wäre er einer.

Der Rest des Gartens ist klein (etwa 2,5 Hektar), aber dicht bepflanzt — Bromelien, Orchideen und ein tropisches Gewächshaus. Plane eine Stunde ein.
Durch die Altstadt von La Orotava schlendern
Eine 15-minütige Fahrt den Hügel hinauf bringt dich nach La Orotava — für viele Besucher die schönste Stadt der Insel. Auf einem steilen Hang über dem Tal gebaut, war La Orotava über Jahrhunderte die traditionelle Hauptstadt wohlhabender kanarischer Landwirtschaftsfamilien. Das Ergebnis ist ein konzentriertes historisches Zentrum mit Holzbalkonen, Barockkirchen und gepflasterten Gassen, die immer bergab führen.
Den besten Aussichtspunkt bieten die Jardines Marquesado de la Quinta Roja — ein kleiner Terrassengarten, von dem aus du auf die Ziegeldächer von La Orotava und hinaus auf den Atlantik schaust.

Von dort gehst du in die Altstadt hinunter. Die Iglesia de la Concepción ist das Barockjuwel; Casa de los Balcones und Casa Lercaro zeigen geschnitzte Holzbalkone, die zum Wahrzeichen der traditionellen kanarischen Architektur geworden sind. Für eine Stunde mit einem Ortskundigen bietet eine 130-minütige geführte Altstadttour durch La Orotava einen Einblick in Barockkirchen, Balkone und die Sandteppich-Tradition, den kein Reiseführer ersetzen kann.
Das Belén Navideño zu Weihnachten sehen
Wenn du La Orotava zwischen Mitte Dezember und Anfang Januar besuchst (wie wir), erlebst du das Belén — eine riesige Weihnachtskrippe auf der Plaza del Ayuntamiento, direkt vor der rosafarbenen Fassade des Rathauses. Das Belén hier ist eines der aufwendigsten auf den Kanaren: ein ganzes Dorf handmodellierter Tonfiguren, eine Sternschnuppen-Illumination über dem Platz und ein ständiger Strom von Einheimischen und Besuchern, die es fotografieren.

Wenn möglich, sieh es in der Dämmerung, wenn die Lichter angehen.
Nach Westen nach Icod de los Vinos fahren
Eine halbe Stunde westlich von Puerto bringt dich nach Icod de los Vinos — eine kleine Stadt, die sich um den Hang über einem der berühmtesten Bäume der Welt schmiegt.
Der Drago Milenario ist ein Drachenbaum (Dracaena draco), die Wahrzeichen-Art der Kanaren. Die Legende besagt, dieser spezifische Baum sei tausend Jahre alt; moderne Botaniker schätzen das Alter auf 400 bis 800 Jahre — in jedem Fall ist er der älteste und größte bekannte Drachenbaum der Welt. Er steht in einem kleinen Park mit einer Palme zur Gesellschaft, und du zahlst ein paar Euro, um nah heranzukommen — hol dir dein Ticket für den Drago Milenario und botanischen Garten vorab, um die kurze Schlange zu umgehen — oder du fotografierst ihn kostenlos von den Stufen der Kirche gegenüber.

Vom Ort selbst führt eine kurze Fahrt zum Mirador San Marcos — einem Klippenaussichtspunkt mit Blick auf eine kleine Halbmondbucht aus schwarzem Sand und ein Mosaik aus Bananenplantagen, das zum Atlantik abfällt.

Den Besuch in Garachico auf den Abend legen
Zehn Minuten westlich von Icod liegt Garachico — einst Teneriffas wichtigster Hafen, bis der Ausbruch des Volcán Trevejo 1706 den Hafen mit Lava füllte. Die Stadt wurde leicht landeinwärts neu aufgebaut, und heute ist sie eine der ruhigsten, charmantesten Ecken der Insel: ein Raster aus engen Gassen, ein Kastell aus dem 16. Jahrhundert, das ins Meer ragt, und eine Reihe natürlicher Lavafelsenbecken (die Piscinas Naturales El Caletón), in denen man direkt im Atlantik schwimmen kann.
Garachico ist abends besonders schön, wenn die Touristenbusse weggefahren sind und der Ort den Einheimischen gehört. An Silvester nimmt der zentrale Platz eine festliche Stimmung an: überdimensionale leuchtende Schneeflocken hängen von den Palmen, eine lebensgroße Weihnachtskrippe besetzt eine Seite des Platzes, und die ganze Stadt versammelt sich unter den Lichtern, um das neue Jahr zu begrüßen.

Ob du zu den Feiertagen kommst oder an einem gewöhnlichen Abend — bleib für den Sonnenuntergang. Das Licht auf der Barockkirche und der Lavasküste ist so gut wie irgendwo auf den Kanaren.
Praktische Infos
Wo einquartieren: Der Norden ist die beste Basis für eine vollständige Erkundung Teneriffas. Puerto de la Cruz bietet die größte Auswahl; La Orotava ist ruhiger und atmosphärischer; Garachico ist eine romantische Kleinstadtoption. Hotels auf Teneriffa bei Trip.com vergleichen.
Wie lange: Zwei volle Tage reichen aus, um alle vier Städte in gemütlichem Tempo zu erkunden. An einem Tag müsstest du entweder Garachico oder den botanischen Garten auslassen.
Anreise: Miete dir am Flughafen Teneriffa Norte (TFN) einen Mietwagen — 20 Minuten von Puerto de la Cruz entfernt. Der Nordflughafen ist für diese Route weit bequemer als Teneriffa Süd.
Wetter: Der Norden ist ganzjährig feuchter und kühler als der Süden — deshalb ist er grüner. Pack eine leichte Schicht ein, auch im Sommer. Nachmittags stauen sich Wolken an den Nordhängen — morgens ist die Sicht auf den Teide am klarsten.
Geführte Touren: Der Jardín Botánico und La Orotava lassen sich leicht selbst erkunden. Wer wenig Zeit hat, kombiniert mit einer Ganztages-Tour zum Teide und Nordteneriffa den Drago, Garachico, Icod und einen Halt im Teide-Krater an einem einzigen Tag mit Hotelabholung.
Mehr von Teneriffa und den Kanaren
Der Norden ist nur ein Ausschnitt Teneriffas. Teide, Teno und Anaga verdienen jeweils einen eigenen Tag und einen eigenen Artikel — und wenn dich die grüne, kulturreiche Seite der Insel angesprochen hat, gibt es ein paar weitere MapTrotting-Guides, die gut dazu passen. — Das vulkanische Herz und die Kunst Lanzarotes — Die wilde Küste des Südens von Lanzarote